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Cannabis & MPU 2024: KCanG, neue Grenzwerte & D3-Trennvermögen

Was bedeutet das Cannabisgesetz (KCanG) für die MPU? Neuer 3,5 ng/ml THC-Grenzwert, Hypothesen D1–D4, Trennvermögen vs. Abstinenz, Kosten und Vorbereitung — komplett aktualisiert für 2026.

KCanG seit 01.04.20243,5 ng/ml THC-GrenzwertD3 = Trennvermögen, nicht Abstinenz1.500–3.500 € (D3)

Deutschland hat den Besitz und Konsum von Cannabis für Erwachsene am 1. April 2024 mit dem Konsumcannabisgesetz (KCanG) teilweise legalisiert. Am 22. August 2024 wurde der THC-Grenzwert im Straßenverkehr von 1,0 ng/ml auf 3,5 ng/ml im Blutserum angehoben. Trotz beider Reformen bleibt das MPU-System unverändert — die Eignungsprüfung nach §§ 11–14 FeV und die BK-5-Hypothesen gelten weiter. Diese Seite bündelt alles, was du wissen musst, um dich in der neuen Rechtslage zu orientieren und eine positive Cannabis-MPU vorzubereiten.

Was hat sich mit dem KCanG wirklich geändert?

Das KCanG entkriminalisiert für Erwachsene den Besitz von bis zu 25 g Cannabis im öffentlichen Raum und 50 g zu Hause sowie den Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen. Was das KCanG nicht geändert hat: die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), das Straßenverkehrsgesetz (StVG §§ 24a/316), die Beurteilungskriterien (BK 5) und das MPU-Verfahren selbst. Die Behörde kann nach wie vor eine MPU nach §§ 11–14 FeV anordnen, wenn berechtigte Eignungszweifel bestehen — Besitz oder reiner Konsum sind kein MPU-Anlass mehr, Fahrvorfälle, Wiederholungstaten und Abhängigkeitsanzeichen aber sehr wohl.

Wichtig

Das Cannabisgesetz ist eine strafrechtliche Reform. Die MPU bewegt sich im Verwaltungsrecht — das Fahreignungsrecht wurde nicht angefasst.

Der neue THC-Grenzwert (StVG § 24a)

Seit dem 22. August 2024 gilt im Straßenverkehr ein THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml im Blutserum (vorher 1,0 ng/ml). Wer darüber fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG — typischerweise 500 € Bußgeld, 2 Punkte in Flensburg und 1 Monat Fahrverbot. Mit unserem THC-Rechner kannst du Restwerte nach Konsum abschätzen.

SzenarioTHC-WertFolge
Unter 3,5 ng/ml, keine weiteren Auffälligkeiten< 3,5 ng/mlIn der Regel keine Ahndung — Behörde kann aber prüfen
Über 3,5 ng/ml (Ersttat)≥ 3,5 ng/ml500 € Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
Wiederholung innerhalb 12 MonatenjederBis 1.500 € Bußgeld, 3 Monate Fahrverbot, MPU wahrscheinlich
Mischkonsum mit Alkoholjedes THC + jeder BAK0,0-Toleranz — direkter MPU-Anlass
Abhängigkeitszeichen / regelmäßiger KonsumjederMPU nach § 14 FeV (Hypothese D1/D2)

Hypothesen D1–D4: Wo wirst du eingeordnet?

Die Beurteilungskriterien (BK 5, Kapitel 3.12) definieren vier Drogen-Hypothesen, nach denen der Gutachter deinen Fall einordnet. Das Schema gilt unverändert auch für Cannabis — egal wie der rechtliche Status der Substanz aussieht.

HypotheseMusterAnforderungTypischer Zeitrahmen
D1Drogenabhängigkeit (Cannabis-Konsumstörung)12 Monate Abstinenz + therapeutische Aufarbeitung12–18 Monate
D2Fortgeschrittener Konsum, Kontrollverlust, Mischkonsum12 Monate Abstinenz + Verhaltensänderung12–15 Monate
D3Gelegentlicher Cannabis-Konsum ohne TrennvermögenNachweis des Trennvermögens (Konsum/Fahren strikt getrennt)6–9 Monate Vorbereitung
D4Einmaliger Probierkonsum, keine EignungszweifelMeist keine MPU erforderlich

Eine ausführliche Erklärung aller Hypothesen findest du auf unserer Drogen-MPU-Seite; D3 ist seit der Legalisierung die häufigste Variante und verdient unten eine eigene Vertiefung.

Trennvermögen (D3) vs. Abstinenz (D1/D2)

Die wichtigste Unterscheidung in einer Cannabis-MPU ist, ob du Abstinenz oder Trennvermögen nachweisen musst. Trennvermögen heißt: Du kannst nachvollziehbar belegen, dass Konsum und Fahren bei dir strikt getrennt ablaufen — du fährst nie unter Einfluss und hast ein stabiles System, das das auch sicherstellt.

Was belegt Trennvermögen in der Praxis?

  • Konsum-/Fahrtenbuch — über 6–12 Monate führen. Jeden Konsum mit Datum/Uhrzeit notieren, ebenso jede Fahrt am selben Tag. Der Gutachter schaut auf Muster.
  • Plausible Konsumstrategie — z. B. nur am Wochenende, nur abends, nie innerhalb von 24 h vor einer geplanten Fahrt.
  • Psychologische Reflexion — frühere Vorfälle aufarbeiten (idealerweise mit Verkehrspsychologen oder über unsere Modul-Bibliothek) und konkret benennen, was sich geändert hat.
  • Freiwilliger negativer THC-Bluttest kurz vor der MPU — nicht zwingend, aber starker Beleg.

Bei D1/D2 verlangt der Gutachter dagegen einen vollständigen Abstinenznachweis über 12 Monate: Urinscreening alle 6–8 Wochen (CTU-Kriterien) oder Haaranalyse alle 3 Monate. Methoden, Kosten und Stolperfallen findest du auf der Abstinenznachweis-Seite.

So bereitest du dich auf eine Cannabis-MPU vor

  1. Hypothese früh klären — starte mit unserer kostenlosen Ersteinschätzung. Sie ordnet deinen Fall den Hypothesen D1–D4 zu und sagt dir, ob du Abstinenz oder eine Trennvermögens-Akte brauchst.
  2. Abstinenznachweis jetzt starten, falls D1/D2 zutrifft — 12 Monate sind das Minimum, und die Uhr läuft erst, wenn das Labor offiziell gemeldet ist.
  3. Trennvermögens-Akte aufbauen, falls D3 zutrifft — alles dokumentieren, Reflexion strukturieren, deine Geschichte vorbereiten.
  4. Vorbereitungsformat wählen — siehe unseren Vorbereitungs-Guide für Online, Verkehrspsychologe und Gruppenkurs im Vergleich.
  5. Das Gespräch trainieren — der Gutachter prüft deine Story auf Brüche. KI-Simulation oder Mock-Interview beim Psychologen sind beide valide Wege.

Was kostet eine Cannabis-MPU?

PostenD1/D2 (mit Abstinenz)D3 (Trennvermögen)
MPU-Gebühr (GebOSt)600–750 €600–750 €
Abstinenznachweis (12 Monate)600–1.200 €
Vorbereitung1.000–3.000 €800–2.500 €
Sonstige (Fahrt, Unterlagen)50–100 €50–100 €
Gesamt2.500–5.000 €1.500–3.500 €

Vollständige Aufschlüsselung auf der Seite Drogen-MPU Kosten — inklusive Tipps, wie du den größten variablen Kostenblock (Vorbereitung) mit Online-Vorbereitung deutlich reduzieren kannst.

Häufige Fehler in der Cannabis-MPU

  • Glauben, KCanG hätte das Fahren unter Cannabis legalisiert — hat es nicht. Die 3,5 ng/ml sind eine Eignungsschwelle, keine Erlaubnis.
  • Trennvermögen behaupten ohne Belege — der Gutachter will eine Aktenlage, keine Beteuerungen.
  • Abstinenznachweis zu spät starten — Monate lassen sich nicht rückwirkend dokumentieren. 12 Monate heißt 12 Monate vor der MPU.
  • D-Hypothesen mit alten A-Narrativen vermischen — Alkohol-typische Abstinenz-Erzählmuster passen nicht zu Cannabis-Fällen. Jede Hypothese hat ihre eigene Logik.
  • Unvorbereitet hingehen — die Durchfallquote bei unvorbereiteten Cannabis-MPUs liegt deutlich über 50 %. Jeder Wiederholungs- versuch kostet die volle MPU-Gebühr plus 6+ Monate Wartezeit.
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